"The Pinnacles" im Nambung-Nationalpark, Western Australia

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Australia one

Die Australischen Westküste: von Perth nach Exmouth und zurück

von HEIKE & ANDREAS am 31. JANUAR 2012

Montag, 05. Dezember 2011

Um 06.00 Uhr kommt das Taxi und bringt uns zum Flughafen in Singapur. Der Flug nach Perth dauert nur fünf Stunden. Da wir in der gleichen Zeitzone bleiben, sind wir um 14.00 Uhr in Australien, genauer gesagt in Western Australia (WA)!

In Westaustralien leben 2,3 Millionen Menschen, 1,7 Millionen davon im Gebiet um Perth. Der größte Teil der restlichen 600.000 Einwohner konzentriert sich auf den südwestlichen Teil Australiens. Westaustralien ist etwa halb so groß wie Europa. Hauptwirtschaftszweig in Westaustralien ist der Bergbau, über 90 Prozent der australischen Erzförderung stammt von hier.

Als wir in Perth ankommen, haben wir keine Unterkunft, kein Auto und keine konkrete Vorstellung davon, wie einfach oder schwer es sein wird, ein Auto mit Koch-, Kühl- und Campingmöglichkeit zu mieten oder zu kaufen. Als wir zwei Stunden später vom Flughafen in die Stadt fahren, haben wir ausreichend Bargeld, wir haben unsere Mobiltelefone mit australischen Vodafone SIM-Karten bestückt und wir haben einen Mietwagen sowie eine Unterkunft.

Unser erster Abend in PerthÜber Letztere sind wir besonders froh, denn im Augenblick findet in Perth ein große Regatta statt, so dass erschwingliche Unterkünfte kaum zu bekommen sind. Wir rufen bestimmt bei 15 Hotels, Motels, Resorts und Hostels an und haben Glück im Emperors Crown Hostel. Allerdings war dort nur noch ein Dreibettzimmer frei, was bedeutet, dass Andi heute Nacht in einem Dormitory mit sechs anderen Zeitgenossen schlafen darf. Die Nacht im Hostel kostet uns insgesamt $145, was für die gebotene Leistung ziemlich gesalzen ist.

Ein weiteres Abenteuer erleben wir, als wir uns um kurz vor 21.00 Uhr auf die Suche nach einem Restaurant machen, denn die Innenstadt von Perth ist um diese Uhrzeit zu unserer Verwunderung wie ausgestorben und alle Restaurants haben bereits geschlossen!

Nach längerer beharrlicher Suche finden wir einen Pub, in dem wir noch warmes Essen bekommen, allerdings erneut zu exorbitant hohen Preisen. Heikes ganz normale Pizza kostet $28, das kann ja heiter werden hier in Australien!

Dienstag, 06. Dezember 2011

Durch unser Erlebnis gestern Abend lernen wir schnell, dass mit Ausnahme der Supermärkte und Tankstellen die meisten Geschäfte in Australien nach 17.00 Uhr geschlossen haben.

Emperors Crown - unsere erste Unterkunft in PerthDa wir uns heute ein Auto organisieren wollen, steht Andi früh auf, während ich mit Nicolas und Nina ausschlafe und den Tag im Hostel verbringe.

Wir sind uns noch nicht sicher, ob wir ein Auto kaufen oder mieten sollen. Während ich mit zahlreichen Backpackern im Hostel spreche, die sich ein Auto gekauft haben, klappert Andi so ziemlich alle Vermieter von Wohnmobilen in und um Perth herum ab. Zwischendrin ruft er immer wieder an, und wir tauschen neue Erkenntnisse aus.

Die Idee ein Auto zu kaufen und nach zweieinhalb Monaten wieder zu verkaufen, geben wir recht schnell auf. Es ist zwar die potenziell günstigere Möglichkeit, allerdings verliert man bei einem Verkauf des Autos ohne nennenswerten Wertverlust in der Erfahrung der meisten Traveller mindestens zwei Wochen, was uns bei insgesamt zehn Wochen in Australien einfach zu viel ist.

Am Ende des Tages mieten wir einen Campervan. Ein Campervan ähnelt einem großen VW-Bus und bietet Schlaf- und Kochmöglichkeiten sowie einen Kühlschrank. Auf eine Toilette und eine Dusche muss man allerdings verzichten. Wichtig für uns waren auch fünf zugelassene Sitzplätze, denn über Weihnachten wird uns Andis bester Freund Armin aus Deutschland besuchen und für vier Wochen mit uns reisen.

Um 16.00 Uhr sichern wir uns einen Toyota Campervan für 69 Tage bei Boomerang Campers. Die Firma gehört Herbert, einem Deutschen, der seit 30 Jahren in Australien lebt und das Unternehmen dort aufgebaut hat. Herbert vermietet seine Fahrzeuge fast ausschließlich an Schweizer und Deutsche. Das Geschäftsgebaren ist entsprechend deutsch und unterscheidet sich damit angenehm von den etwas schrägen Erlebnissen, die Andi heute mit australischen Vermietern hatte und in unserem News-Blog beschrieben hat. Unser Auto muss noch hergerichtet werden und steht morgen ab 10.30 Uhr zur Abholung bereit – super!

Abends gehen wir in Perth nochmals Essen, allerdings zwei Stunden früher, als gestern!

Mittwoch 07. Dezember 2011

Unser CampervanNachdem wir am heutigen Vormittag unseren Campervan übernommen haben, machen wir einen Großeinkauf und bringen unseren kleinen Mietwagen zurück.

Danach fahren wir entlang des erst vor kurzem eröffneten Indian Ocean Drive Richtung  Norden bis nach Guilderton unserem ersten Übernachtungsplatz.

Bei unserer Ankunft um 19.00 Uhr ist die Rezeption bereits geschlossen, aber an der Türe hängen einige Briefumschläge mit Schlüsseln für Spätankömmlinge.

Der Platz, den wir uns aussuchen, liegt zur Wasserseite hin mit Blick auf eine schöne Bucht.

Zum Abendessen, der ersten selbstgekochten Mahlzeit seit fast fünf Monaten, gibt es Nudeln mit Tomatensauce, was unsere Kinder ausgesprochen genießen, es ist fast wie zu Hause.

Allerdings hat das eigenständige Leben auch gravierende Nachteile, denn wir müssen jetzt Hausarbeiten wie Einkaufen, Kochen, Abspülen und Wäsche waschen wieder selbst erledigen. Die letzten fast fünf Monate waren wir von diesen Tätigkeiten befreit.

Da sich Nicolas und Nina für das Kochen im Campervan nicht sonderlich erwärmen können, legen wir schon am ersten Abend fest, dass der Spüldienst in Australien von den Kindern übernommen wird, was die gesamte Zeit hindurch sehr gut klappt.

 

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Von Guilderton aus fahren wir am heutigen Tag bis zum Nambung National Park in der Nähe von Cervantes.

Hauptattraktion des Nationalparks sind die "Pinnacles". Das sind bis zu vier Meter hohe, verwitterte Kalksteinsäulen. Nachdem wir ausgiebig Fotos von diesen seltsamen Felsformationen gemacht haben fahren wir weiter Richtung Shark Bay und übernachten in Geraldton.

Dort steuern wir gegen 19.00 Uhr zunächst einen schön gelegenen Campingplatz an, wo wir leider nur noch den Nachtwächter antreffen. Dieser teilt uns mit, dass die Rezeption bereits geschlossen sei und wir trotz zahlreicher freier Plätze nicht hierbleiben können. Die von uns vorgeschlagene Bezahlung am folgenden Morgen sei ebenfalls nicht möglich. Obwohl wir todmüde sind, fahren wir einige Kilometer weiter und übernachten letztlich auf einem anderen Caravanpark direkt an der Straße!

Wir erleben an diesem Abend erstmals, dass es in Australien viele Vorschriften und Schilder gibt, die meistens genau eingehalten werden. Auf den Campingplätzen sind insbesondere die Waschhäuser mit zahlreichen Verbotsschildern versehen, die immer mit den Worten „strictly no...“ beginnen, wie z.B. strictly no smoking, strictly no pets und viele mehr. Bevor ich mich in die Dusche wage, verbringe ich die ersten Minuten damit, die mit Verboten und Hinweisen gepflasterten Wände zu lesen.

Fairerweise muss man sagen, dass die Campingplätze hier auch sehr sauber sind. Die Schilder scheinen offensichtlich etwas zu nutzen.

Freitag, 09. Dezember 2011

Bevor wir Geraldton verlassen, halten wir an einem der vielen Outdoor Shops hier in Australien, und kaufen ein Zelt für Nicolas, der sich weigert, weiter im Campervan zu schlafen.

Nina in ihrem BereichDas Fahrzeug bietet zwar fünf zugelassene Sitzplätze und theoretisch ebenso viele Schlafplätze, aber in der Realität ist es bereits für vier Personen zu eng zum Schlafen, denn die Kids liegen auf einem Zwischendeck, das nur etwa 40 Zentimeter hoch ist. Nicolas kann sich dort kaum umdrehen, geht also gar nicht. Wir kaufen ein Zelt für drei Personen, das Nicolas und Armin zusammen komfortabel Platz bietet.

Die Kids sind zufrieden! Nina fühlt sich in ihrer Höhle im Zwischendeck wohl und Nicolas ist froh, zumindest Nachts ein eigenes Reich mit etwas Abstand zum Rest der Familie zu haben.

Nach unserem Einkauf starten wir nach Monkey Mia in der Shark Bay. Die Shark Bay steht auf der Liste der UNESCO Weltnaturerbe. Der Grund für diesen besonderen Status sind sog. Stromatolithen. Stromatolithen sind Schichtgesteine, die als Folge der Stoffwechselprodukte von Cyanobakterien entstehen. In Stromatolithen wurden Fossilien mit einem Alter von 3,5 Milliarden Jahren gefunden, die diesen Cyanobakterien sehr ähneln. Damit gelten Stromatolithen, die heute nur noch an wenigen Stellen der Erde vorkommen, als Nachweis für eine der ältesten Lebensformen auf unserem Planeten.

Totes KänguruDie Strecke zur Shark Bay führt durch ein wüstenartiges Gebiet mit der typischen australischen roten Erde und ist ziemlich langweilig, so dass wir gegen die Müdigkeit kämpfen müssen. Die einzige Abwechslung sind die Roadhouses, die Benzin, Toiletten, Kaffee und sonstige Kleinigkeiten anbieten. Man kann dort meist auch übernachten, aber wir haben uns vorgenommen bis Monkey Mia durchzuhalten.

Unterstrichen wird die Langeweile und Einsamkeit von zahlreichen toten Kängurus. Wir sehen spätestens alle fünf Minuten ein Tier am Strassenrand liegen. Der Grund dafür ist das Verhalten der Kängurus, die sich nachts auf die warme Strasse setzen und bei Annäherung eines Autos nicht weggehen sondern einfach sitzen bleiben. Ein Auto kann vielleicht noch bremsen, aber leider gibt es in Australien zahlreiche Roadtrains, die auch Nachts fahren und bei einem Bremsweg von über einem Kilometer keine Chance haben anzuhalten.

Kurz vor Dunkelheit erreichen wir Monkey Mia und haben großes Glück, denn wir bekommen einen wunderbaren Platz direkt am weißen Sandstrand. Es ist herrlich zum Einschlafen das Rauschen der Wellen zu hören.

Samstag, 10. Dezember 2011

Monkey MiaAm Morgen stehen wir früh auf, denn wir wollen die Hauptattraktion von Monkey Mia nicht verpassen.

Jeden Morgen kommen hier Delfine an den Strand und werden gefüttert. Begonnen hat diese Fütterung in den 1960er Jahren, als lokale Fischer Fischabfälle ins Wasser warfen und feststellten, dass ihnen Delfine bis zum Ufer folgten. Erst danach fingen sie an, die Delfine gezielt und regelmäßig zu füttern.

Um 07.45 Uhr stehen wir am Strand und haben Glück. Vier Delfine tummeln sich bereits im Wasser und warten. Vom Ablauf der Fütterung sind wir etwas enttäuscht, denn die Veranstaltung ist eine ziemliche Show. So wird der betreffende Strandabschnitt bereits am frühen Morgen mit Schildern abgesperrt und Ranger wachen darüber, dass sich niemand dem Wasser auch nur nähert. Die Besucher sammeln sich am Weg oberhalb des Strandes. Nach Freigabe durch die Ranger gehen etwa 100 Zuschauer hinunter zum Wasser. Ein Ranger Totale Mondfinsterniserläutert via Lautsprecher die Identität der Tiere und erzählt über jüngste Erlebnisse mit ihnen.

Danach kommen drei Hilfskräfte mit Eimern, in denen jeweils drei bis vier Fische liegen. Ausgesuchte Zuschauer dürfen dann vortreten und einen Fisch an die Delfine verfüttern. Nina hat Glück und darf auch einen Fisch verabreichen, nur anfassen darf man die Delfine nicht, weil dadurch Krankheiten übertragen werden könnten. In wenigen Minuten ist die Show vorbei und wird nach einer halben Stunde nochmals wiederholt.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Schulunterricht für die Kinder und Tagebuchschreiben.

In der Nacht haben wir dann ein weiteres tolles Erlebnis: eine totale Mondfinsternis. Wir sitzen bis spät in die Nacht draußen und sehen zu, wie der Mond zunehmend vom Schatten der Erde abgedeckt wird – ein ganz besonderes Naturschauspiel!

Sonntag, 11. Dezember 2011 und Montag, 12. Dezember 2011

Shell BeachHeute machen wir Strecke und fahren von Monkey Mia ins 600 Kilometer entfernte nördlich gelegene Coral Bay.

Bevor es los geht, besuchen wir am Morgen noch einmal die Fütterung der Delfine, die heute sogar einige Kunststücke beherrschen und Nina darf nochmals einen Fisch verfüttern.

Danach brechen wir auf, zunächst etwa 150 KIlometer hinaus aus der Shark Bay. Auf unserem Weg besuchen wir den Shell Beach, der aus einer vier Meter dicken Schicht Muschelschalen besteht und in einer der schönsten Buchten an der Shark Bay liegt.

Danach geht es weiter entlang der Westküste Australiens bis zum Ningaloo Reef, das sich über mehrere hundert Kilometer entlang der Coral Coast erstreckt. Das Riff verläuft an vielen Stellen kaum 100 Meter vom Ufer entfernt und kann daher von Tauchern und Schnorchlern gleichermaßen erkundet werden.

Wir erreichen Coral Bay gegen Abend. Wir verbringen zwei Nächte in dem winzigen Ort am südlichen Ende des Ningaloo Riffes auf auf einem schönen Campingplatz nahe am Strand.

Wir relaxen, schreiben Tagebücher und lesen und die Kinder buddeln im Sand.


Dienstag, 13. Dezember 2011 und Mittwoch, 14. Dezember 2011

Am heutigen Morgen starten wir zu einer Schnorcheltour am Außenriff, das in Coral Bay etwa zwei Kilometer weit vom Ufer entfernt verläuft. Mit eigens dafür ausgerüsteten Ocean-Kayaks geht es an die Riffkante.

Schnorchel mit Ocean-KayaksSchon das Paddeln über das kristallklare Wasser macht großen Spaß. Nach etwas über einer halben Stunde befestigen wir die Kayaks an einer Boje und springen ins Wasser. Wir sehen viele Fische, eine Schildkröte und sogar einen Weisspitzen-Riffhai, der unter einem Felsvorsprung liegt.

Am späten Vormittag brechen wir auf nach Exmouth, unserem nördlichsten Punkt in Westaustralien. Im örtlichen Visitor Center bekommen wir, wie überall in Australien, hervorragendes Informationsmaterial und eine kompetente Beratung.

Danach fahren wir weiter in den Cape Range National Park, den wir am frühen Abend erreichen. Hier gibt es zwar keine Infrastruktur wie Strom, Wasser oder Duschen, aber dafür ganz viel Natur. Wir machen einen ausgedehnten Strandspaziergang mit der ganzen Familie bis zum Sonnenuntergang, den auch unsere Kinder toll finden, die Natur ist einfach unbeschreiblich hier!
Nachts kann man im Schein des Mondes auf einer Düne liegen und dem Meeresrauschen zuhören – es ist einzigartig!

Am folgenden Tag besuchen wir drei Strände im Cape Range National Park, an denen man hervorragend schnorcheln kann. Am Lake Side Beach sehen wir Kängurus und Andi kommt nach Cape Range NP bei Exmouthüber eineinhalb Stunden überglücklich vom Schnorcheln zurück und erzählt begeistert, was er gesehen hat. Danach schnorcheln wir bei den Oyster Stacks, wo wir wunderschöne Korallenformationen sehen, dafür keine Fische und der letzte Platz des Tages ist die ziemlich bekannte, weil traumhaft schöne Turquoise Bay, wo wir ebenfalls nochmals schnorcheln. Dabei sehen Andi und Nicolas einen kleinen Hai, der vor zwei anderen Schnorchlern flüchtet, es ist wirklich toll hier!

Am Abend nehmen wir an einer Führung des Jurabi Turtle Centers teil. Zu dieser Jahreszeit kommen im Schutz der Dunkelheit zahlreiche Schildkröten aus dem Meer, um am Strand ihre Eier abzulegen.

Die Führung beginnt mit einer kurzen Power-Point-Einführung im Turtle Center. Wir lernen, dass die Schildkröten in den unterschiedlichen Phasen der Eiablage verschieden empfindlich für Störungen sind. Im Fall einer Störung brechen die Schildkröten die Eiablage sofort ab und kehren schnellstmöglich zurück ins Meer – die Message haben wir verstanden!

Cape Range NPNach der Einführung fahren wir zu einem etwa vier Kilometer entfernten Strand. Vom Strandparkplatz aus geht es in einer Gruppe von neun Leuten hinunter an den Strand. Immer wieder betont unser Guide, wie wichtig es ist, absolut kein Licht zu machen. Auch die Displays der Kameras müssen abgedeckt werden und es versteht sich von selbst, dass Blitzen verboten ist. Das einzige zugelassene Licht ist die rot leuchtende Taschenlampe unseres Guides.

Am Strand setzen wir uns ruhig hin und warten. Weit und breit ist keine Schildkröte in Sicht, und irgendwie kann sich keiner von uns vorstellen, dass ausgerechnet hier jetzt eine Schildkröte ihre Eier ablegen soll. Plötzlich sagt unser Guide ganz ruhig, dass sie glaubt eine Schildkröte gesehen zu haben, die an Land kommt. Wir starren in die Dunkelheit aufs Wasser und sehen gar nichts. Wir sehen immer noch nichts als unser Guide bestätigt, dass eine Schildkröte das Wasser verlassen habe und direkt auf uns zukomme. Wir sind gespannt wie Flitzebogen und verharren minutenlang regungslos sitzend im Sand. Und dann sehen wir sie, wie sie sich ganz langsam den Strand hochbewegt und zwischendurch immer wieder liegenbleibt, um nach Luft zu schnappen.

Schildkröte bei der EiablageDas über einen Meter lange Tier kommt direkt auf uns zu, wir wagen es kaum mehr zu atmen. Wir sitzen am oberen Strandrand und die Schildkröte identifiziert uns als Felsen. Daher weicht sie nach rechts aus, bis sie den letzten „Felsen“ – und das ist Nicolas – passiert hat. Fast in Berührungsreichweite von Nicolas stoppt sie und beginnt Sand im hohen Bogen wegzuschaufeln. Dabei bekommt besonders Nicolas immer wieder eine große Ladung Sand ins Gesicht. Trotzdem bleibt er regungslos sitzen.

Nachdem sie ein großes Loch gegraben hat, in dem sie fast verschwindet, beginnt sie mit den hinteren Flossen ein kleineres und tieferes Loch, die Eierkammer, zu graben. Wieder bekommt Nico die Hauptladung Sand ab, trotzdem beneiden wir ihn um den Platz in der ersten Reihe.

Danach beginnt die Eiablage. In dieser Phase ist die Schildkröte extrem unempfindlich gegenüber Störungen, d.h. jetzt können wir uns endlich langsam bewegen. Jeder von uns kriecht einzeln aus dem seitlichen Blickfeld des Tieres heraus, bis die ganze Gruppe hinter der Schildkröte versammelt ist. Wir liegen so dicht hinter dem Tier, dass wir es mit ausgestrecktem Arm anfassen könnten und sehen deutlich wie über 100 weiche Eier von der Größe eines Tischtennisballs in die Höhle fallen. Nach Ende der Eiablage Känguru, das wir fast überfahren habenwird das Loch mit Sand verschlossen und die gesamte Ablagestelle so gut getarnt, dass man hinterher wirklich nicht mehr sieht, was hier soeben passiert ist. Diese Aktion dauert nochmals über eine halbe Stunde.

In der Zwischenzeit sind zwei weitere Schildkröten im Abstand von weniger als 30 Metern an Land gekommen aber es ist mittlerweile fast Mitternacht und so ziehen wir uns ganz langsam kriechend wieder vom Strand zurück.

Bevor wir ins Auto steigen, müssen wir insbesondere Nicolas erst mal vom Sand befreien, aber wir sind uns einig: das Erlebnis war es wert!

Auf dem Rückweg nach Exmouth überfahren wir fast ein Känguru. Andi hat es zum Glück noch rechtzeitig gesehen und kann bremsen, aber das blöde Vieh bleibt trotz Dauerhupen einfach sitzen und bequemt sich erst ganz langsam, an den Straßenrand zu hüpfen. Jetzt haben wir selber erlebt, wir träge diese Tiere reagieren. Kein Wunder, dass sie regelmäßig überfahren werden.

Donnerstag, 15. Dezember 2011 und Freitag, 16. Dezember 2011

In der Hauptsaison von April bis August können an der ganzen Coral Coast Wale beobachtet werden, die die Küste passieren. In dieser Zeit gibt es hier mindestens sechs Tauchshops, die voll ausgebucht sind. Jetzt, in der Nebensaison, ist der Ort ziemlich Navy Pierausgestorben und es gibt für Taucher nur einen einzigen Platz, an dem es sich lohnt unter Wasser zu gehen, und das ist der Navy Pier.

Dieser Schiffsanleger wurde in den 1960er Jahren gebaut, um Materialien für eine US-Sendestation an Land zu bringen. Diese spezielle Funkstation verbindet über Ultralangwellenfunk U.S. amerikanische U-Boote weltweit miteinander. Die Antennenmasten haben die unglaubliche Höhe von über 400 Metern und stehen etwas unwirklich in der Gegend herum. Bis heute wird der Navy Pier vom Militär kontrolliert.

Für Taucher ist dieser Anleger deshalb so interessant, weil es dort so viele verschiedene Fischarten in beachtlicher Größe gibt, dass der Navy Pier in Exmouth in den unterschiedlichsten Ranglisten immer wieder zu den zehn besten Landtauchgängen weltweit gezählt wird – also fast schon ein „Muss“ für Andi, der uns gerne mitnimmt.

Nach einem kräftigen Frühstück geht es zum Tauchshop. Dort werden wir zunächst mit einer Ausrüstung versorgt und danach folgt ein sehr ausführliches Briefing. Dann geht es mit einem Kleinbus zum Tauchplatz. Da das Gelände militärisches Sperrgebiet ist, Navy Piermüssen wir unsere Pässe zeigen. Nachdem alles geprüft wird, geht es zum Pier.

Die größte Überwindung kostet mich der Sprung von der drei Meter hohen Plattform ins Wasser. Ich zögere ein paar Sekunden. Als aber Nina einfach mit der gesamten Ausrüstung hinunterspringt, will ich mir keine Blöße geben und springe hinterher. Der Tauchgang ist trotz schlechter Sicht einfach klasse. Wir sehen eine Vielfalt an Fischen, wie ich sie auf so engem Raum bis jetzt noch nicht gesehen habe. So kann ich gleichzeitig eine Barrakuda Schule, einige Riffhaie, Makrelenschwärme, drei riesige Zackenbarsche und eine Schildkröte sehen. Es ist einfach fantastisch, wie sind froh, dass wir diesen Tauchgang gemacht haben!

Nach einem kurzen Mittagessen brechen wir auf und fahren wieder Richtung Süden. Wir kommen an diesem Tag noch bis nach Carnarvon und fahren am darauf folgenden Tag bis Kalbarri, wo wir uns einen halben Tag im gleichnamigen National Park nehmen wollen.

Samstag, 17. Dezember 2011 und Sonntag, 18. Dezember 2011

Nature's Window im Kalbarri NPDer Kalbarri National Park ist bekannt für seine roten Sandsteinformationen und den schönen Murchison River, der sich durch den Park schlängelt. Der bekannteste Platz im Kalbarri National Park ist das Nature´s Window, ein durch den Sandstein geformtes Fenster, an dem man witzige Fotos machen kann und das genau aus diesem Grund immer wieder in Fotosrecken und Kalendern über Westaustralien zu finden ist. Ein weiterer lohnenswerter Punkt ist der sogenannte Z-Bend. Der Flusslauf des Murchison River hat hier die Form eines "Z", daher der Name dieses Lookouts von dem aus man einen wunderschönen Blick über den Nationalpark hat. Der Besuch dieser beiden bekanntesten Highlights alleine wird eigentlich der Schönheit des Parkes nicht gerecht, aber unsere Zeit drängt und so fahren wir um die Mittagszeit weiter.

Am späten Nachmittag passieren wir den Pink Lake, dessen Wasser wirklich rosa ist. Die besondere Färbung des Sees wird Pink Lakedurch Beta-Carotin verursacht, das von im See lebenden Algen unter ganz bestimmten Umweltvoraussetzungen angesammelt wird. Zu unserer Verwunderung gibt es weder ein Visitor Center noch eine nähere Erklärung zu diesem Phänomen, so dass unser Besuch eher kurz ausfällt. Abends bleiben wir in Geraldton, wo wir bereits auf dem Hinweg übernachtet haben.

Am folgenden Tag müssen wir um 16.10 Uhr am Flughafen in Perth sein, um Armin abzuholen, der für vier Wochen mit uns reisen wird. Wir fahren in Geraldton pünktlich los, werden allerdings an einer Strassenbaustelle über eine halbe Stunde lang aufgehalten, so dass Andi unseren Campervan fährt, als ob wir auf einer Ralley wären.

Um 16.10 Uhr betreten wir das Flughafengebäude, das war Maßarbeit!

Die Wiedersehensfreude mit Armin ist groß. Wir laden ihn ein und fahren nach Süden bis Rockingham, wo wir die Nacht über verbringen.